Länderinformation Indien

Allgemeines

Mit 3,29 Millionen Quadratkilometern und ca. 1.050.000.000 Einwohnern ist Indien das siebtgrößte und eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Indiens Klimazonen reichen von den trockenen Wüsten Radschastans bis zu den kühlen Bergregionen Assams. Es gibt drei Jahreszeiten, die nach ihren typischen Merkmalen heiß, feucht oder kühl genannt werden.

Die Niederschläge während der Regenzeit sind zwar reichlich, aber die meiste Zeit des Jahres herrscht Dürre. Die Vegetation ist in Indien eher spärlich.

Mehr als zwei Drittel der indischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, die etwa 35% des Bruttosozialprodukts beträgt. Hauptanbauprodukte sind Reis, Weizen, Zuckerrohr, Tee, Baumwolle und Jute. Ausserdem wird Kaffee, Gemüse, Melonen, Hirse, Mais, Gerste, Kichererbsen, Bananen, Mangos, Gummi, Leinsamen, Erdnüsse und verschiedene Gewürze angebaut.

Das durchschnittliches Jahreseinkommen je Einwohner beträgt 370 $ (US), die Arbeitslosigkeit steht zur Zeit bei etwa 23%.

Geschichte

Mehr als 5000 Jahre geht die Geschichte der Zivilisation des Indus Tales zurück. Auf die Weltbühne kam Indien im 19. Jahrhundert, als die Briten die politische Spannung der verschiedenen indischen Königreiche und Fürstentümer zur Machtübernahme nutzen. Zunächst gibt es Widerstand, später versucht man sich mit den Kolonialherren zu arrangieren.

Erst der friedliche Widerstand durch Gandhi und Nehru führt schliesslich zur Unabhängigkeit, die 1947 erklärt wird. Aufgrund von Streitigkeiten entstehen zwei neue Staaten: die hauptsächlich von Muslimen bewohnten Gebiete gehen an Pakistan, die mehrheitlich von Hindus bewohnten Gebiete an Indien. Bis in die Gegenwart dauern die Konflikte der beiden Staaten an. Heute bemüht sich Indien sehr, sich in die globale Weltwirtschaft zu integrieren.

Familienstruktur

Die Eltern bestimmen auch heute noch oft den Lebenspartner der Kinder. Inwieweit auf die Wünsche dieser eingegangen wird hängt von der jeweiligen Familie ab.

Inder sind meist religiös und ihr Leben ist tief in Traditionen verwurzelt. Das Interesse der Familie ist wichtiger als das Interesse des Einzelnen. Kinderreiche Familien sind die Regel.Oft leben Großfamilien unter einem Dach oder in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander.

Essen und Trinken

Je nach Kultur und Region variieren die Ernährungsweisen in Indien. Im Süden ist Reis, im Norden das weißbrotartige Roti Hauptnahrungsmittel. Das Essen wird stark gewürzt. Typische Speisen sind Currys mit Eiern, Fisch, Fleisch oder Gemüse. Viele Menschen ernähren sich aus religiösen Gründen vegetarisch. Kühe gelten bei den Hindus als heilig, Rindfleisch ist deshalb tabu. Strenggläubige Muslime verzichten dagegen auf den Genuss von Schweinefleisch und Alkohol. Die Essgewohnheiten sind regional und je nach Religionszugehörigkeit sehr unterschiedlich.

Umgangsformen

Für den verbreiteten Namaste-Gruß legt man die Handflächen aneinander, so dass die Fingerspitzen unter dem Kinn nach oben zeigen. Im Süden sagt man Namaskaram. Gegenüber Vorgesetzten oder als Respektsbekundung wird eine leichte Verbeugung hinzugefügt. Die wohlbekannten "Hallo" und "Hi"s sind ebenso verbreitet. Gäste, die zum Essen kommen, überreichen ihren Gastgebern häufig Süßigkeiten, Blumen oder Früchte. Gastgeber bieten ihren Gästen Tee oder Kaffee sowie Obst oder Süßigkeiten an.

Bildung

Grundschulunterricht ist an allen öffentlichen Schulen kostenfrei und bis zum Alter von 14 Jahren Pflicht. Leider ist das in der Praxis oft anders. Die Analphabetenrate beträgt bei Männern 34,5% und bei den Frauen 62,3%.

Das Bildungswesen hält mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt. Dadurch gibt es schon heute große regionale Unterschiede im Bildungsniveau, die sich im Laufe der Zeit weiter verstärken. Ein erheblicher Anteil an hervorragenden Hochschulabsolventen wandert in das englischsprachige Ausland ab.

Kinderarbeit

Allein in Indien gibt es mehr als 44 Millionen erwerbstätige Kinder, weltweit sind es mindestens 200 Millionen. Kinder erhalten weniger als die Hälfte von dem, was ein Erwachsener im Durchschnitt verdient. Schätzungsweise arbeiten 150 000 Kinder hauptberuflich in der indischen Teppichindustrie. Kinder zwischen sechs und fünfzehn Jahren werden gerne für Tätigkeiten wie Plantagenarbeit und Textilverarbeitung eingesetzt. Doch auch schon dreijährige Kinder verdienen durch Betteln ihren arbeitslosen Eltern den Unterhalt, da es im Entwicklungsland Indien keine Arbeitslosenversicherung oder Altersvorsorge gibt.